Carolin Metz
Verfasst von Carolin Metz

08. Juni 2020

Kreatives Arbeiten im agilen Umfeld

Wer sein Unternehmen agil gestalten will, muss bereit sein für Innovationen. E-Learning kann der Einstieg für beides sein. Trainer Daniel Barth gibt Kurse zu den Themen "Agile Teams organisieren" und "Probleme kreativ lösen" bei ELUCYDATE. Er verrät uns, ob Ingenieure kreativer sind als Medienleute und wie Unternehmen agiler werden.

Herr Barth, erzählen Sie uns doch bitte Ihren Werdegang!

Ich bin ausgebildeter Sinologe, habe also chinesische Kulturwissenschaft studiert. Ich hatte auch mit dem Gedanken gespielt, in der Wissenschaft zu bleiben, aber während meines Studiums habe ich bei einigen Start-ups gearbeitet und dabei viel gelernt. Schließlich habe ich mich im Jahr 2013 entschlossen, selbst ein Unternehmen zu gründen, zusammen mit Florian Rustler, den ich im Studium kennengelernt habe. Mit unserer Firma "creaffective" bieten wir Trainings und Workshops zu Innovationsmethoden an. Wir unterstützen Firmen auch bei größeren Innovationsprojekten und helfen beim Aufbau von Innovationsteams.

Später kam das Thema Agilität beziehungsweise agile Transformation hinzu. Wir stellten fest, dass einige Personen zum "Flaschenhals" in unserem Unternehmen werden und alles bei ihnen zusammenläuft. Das betraf vor allem die Rolle des Geschäftsführers. Aber für uns funktionierte es nicht, dass eine Person Dreh- und Angelpunkt von allem ist.

Dieses Video ist ein Auszug der ELUCYDATE Online Trainings zum Thema "Agiles Arbeiten".
 
Deshalb beschäftigten wir uns mit Holacracy und anderen Modellen und Theorien über selbstorganisierende Systeme. Diese Ideen haben wir erst intern angewendet und dann auch nach außen getragen. Denn beim Thema Innovationsmanagement stellten wir immer wieder fest, dass unsere Kunden die Rückmeldung gaben: "Wir können diese Innovationen gar nicht umsetzen, weil das in unserer Struktur nicht funktioniert." Es geht darum, Freiraum für Innovationen zu schaffen, insofern gehören die Themen Innovation und Agilität zusammen.

Wir beraten einige Konzerne, aber vor allem auch KMUs. Besonders wichtig ist es uns zu erfahren, was sich die Firmen erhoffen, wenn sie "agiler" werden möchten. Wenn man konkrete Vorteile herausarbeitet, die eine agile Transformation bewirken kann, dann gehen die Mitarbeiter den Weg gerne mit.

Sie geben auf ELUCYDATE einen Kurs zum Thema "Probleme kreativ lösen". Kann man Kreativität wirklich lernen?

Es kommt darauf an, wie man Kreativität definiert. Viele schieben es in die Künstlerschiene, aber als Hobbymusiker kann ich sagen: Am Anfang geht es vor allem ums Handwerk, erstmal reproduziert man. Wirklich etwas Neues erschaffen – dieser Teil kommt in der Kunst oft relativ spät.

Psychologen definieren Kreativität als den Prozess, etwas Neues zu schaffen, das Nutzen bringt. Und diese Fähigkeit hat im Grunde jeder Mensch.

Wir tun genau das ja eigentlich ständig – die meisten Menschen realisieren nur nicht, dass sie gerade etwas Neues erschaffen. Viele denken, es gäbe kreative Genies, die neue Ideen einfach so aus dem Ärmel schütteln. Die Psychologie geht aber davon aus, dass es keine unkreativen Menschen gibt. Manche Menschen lassen Kreativität einfach eher zu oder haben einen Prozess eingeübt, um kreativ zu werden.

Der Kreativitätsprozess an sich besteht aus zwei Schritten. Zunächst geht es ums Divergieren, das bedeutet: aufmachen, Optionen zulassen. Danach folgt das Konvergieren: Man wählt die wichtigsten Optionen aus. In meinen Workshops stelle ich dabei durchaus Unterschiede bei bestimmten Berufsgruppen fest: Ingenieure tendieren öfter zum konvergierenden Denken. Im Medienumfeld fällt den Mitarbeitern das Divergieren leichter, aber die Priorisierung und die Auswahl bereitet mehr Probleme. Das Fazit ist: Man kann diese Kreativitätsprozesse erlernen, aber je nach Gewohnheiten und Vorbildung müssen andere Aspekte erlernt und geübt werden.

Außerdem sind Sie Experte für agile Teams. Wie kann es einem Team gelingen, sich von eingefahrenen Mustern zu lösen und agiler zu werden? Können Sie einen Tipp zum Einstieg geben?

Auch hier ist wieder die Frage: Was heißt Agilität? Agilität umfasst verschiedene Aspekte. Wichtig ist, dass man bestehende Rollen und Entscheidungshierarchien überdenkt. Man muss die verschiedenen Rollen im Team einmal klar für alle definieren: Wer übernimmt welche Rolle? Welche Aufgaben und Entscheidungsbefugnisse beinhaltet das? Wo beginnt und wo endet die Rolle? Überschneiden sich manche Rollen? Es muss Klarheit herrschen, wer für was zuständig ist.

Was gefällt Ihnen besonders an der Kooperation mit WEKA?

Dass mein Kollege und ich so viel gelobt wurden beim Videodreh für die ELUCYDATE-Kurse (lacht). Die Zusammenarbeit war sehr professionell und produktiv, WEKA hat alles gut vorbereitet. Wir sind E-Learning gegenüber sehr aufgeschlossen und gehen gerne neue Wege. Ich denke, dass auch im Thema "Blended Learning" viel Potenzial steckt.

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Als Innovationsmanager spielt Weiterbildung für Sie wahrscheinlich eine große Rolle – wie bilden Sie sich selbst weiter?

Ich finde es wichtig, dass man sich beim Lernen das Ziel klar macht:

Wofür lerne ich das eigentlich?

Das steigert die Motivation. Wenn ich mich weiterbilde, frage ich mich zuerst, welchen Mehrwert ich mir erhoffe. Diese Frage leitet dann meine Auswahl. Natürlich lerne ich viel online. Meine Kollegen und ich nehmen auch an Präsenzveranstaltungen teil und achten dabei bewusst auf die Expertise des Anbieters.

Außerdem nutzen wir im Unternehmen einen Kanal in Microsoft Teams, um dort Wissen zu teilen. Dort posten wir zum Beispiel Videos und Blogartikel, die für unsere Arbeit interessant sind. Zudem besuchen wir Meet-ups und haben eine große Bibliothek im Unternehmen, die wir gerne nutzen. Weiterbildung auf allen Kanälen, sozusagen!

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